{"id":277,"date":"2014-07-05T14:39:32","date_gmt":"2014-07-05T12:39:32","guid":{"rendered":"http:\/\/p23.eu\/blog\/?p=277"},"modified":"2024-01-31T01:09:56","modified_gmt":"2024-01-31T00:09:56","slug":"superkeit-ist-kein-zufall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/p23.eu\/blog\/2014\/07\/superkeit-ist-kein-zufall\/","title":{"rendered":"Superkeit ist kein Zufall"},"content":{"rendered":"<h2>Zur Strukturdiskussion der Progressiven Plattform<\/h2>\n<p>Vor ein paar Tagen fand das \u201ekonstituierende Mumble\u201c der Progressiven Plattform statt. In gewisser Weise ironisch, fanden auf jenem Mumble-Server bereits viele Treffen statt, die so meilenweit von Liberalit\u00e4t oder Progressivit\u00e4t entfernt waren, dass auch alle strategische Lackreserven der Welt nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen k\u00f6nnten. N\u00fcchtern betrachtet ist Mumble aber eigentlich auch nur eine bessere Telefonkonferenz. Kann man machen, ist aber eben auch sehr linear, mit Tendenz zum Schwafeln. Als Jour-fixe um weitere Leute mitzunehmen und ein paar Leuten einen Anlass zu geben ihre Gedanken zur Plattform niederzuschreiben war es dennoch insgesamt eher hilfreich, auch wenn aufgrund der Form einige Leute nicht zu Wort kamen und nat\u00fcrlich keine Entscheidungen getroffen werden konnten.<\/p>\n<p>Etwas verwundert haben mich dann aber die dort und im Nachhinein ge\u00e4u\u00dferten Vorschl\u00e4ge, wie wir unsere Kommunikation im Gegensatz zur Restpartei besser gestalten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>An einer Vorselektion, mindestens in der Anfangszeit, f\u00fchrt auch in meinen Augen kein Weg vorbei. Denn dass einige Leute es nicht zulassen wollen, dass auch progessive\/linke Menschen Politik in oder neben der Piratenpartei gestalten, kann wohl als Fakt angesehen werden und wurde sowohl im Mumble-Chat als auch auf Twitter mannigfaltig dokumentiert. Das gew\u00e4hlte Vertrauens-Modell (mitmachen kann, wer zwei Mitglieder findet, die f\u00fcr eine*n b\u00fcrgen) ist dabei im Vergleich zu anderen Organisationen mit Aufnahme per Vorstandsbeschluss eine verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig flexible und hierarchiearme Form der Absicherung. Aber es ist eben auch nicht viel mehr als das: eine Absicherung gegen Trolle.<\/p>\n<p>Einige Leute scheinen sich davon aber mehr zu erhoffen \u2014 Superkeit durch politische Bildung. Als w\u00e4re niemand von uns je in einer linken oder anderweitig politisch aktiven Gruppe gewesen, in der politische Bildung vorhanden war. Der Glaube, durch eine Vorselektion der Mitglieder und einer damit verbundenen h\u00f6heren Homogenit\u00e4t und moralischen Integrit\u00e4t der Eigengruppe pl\u00f6tzlich super arbeiten zu k\u00f6nnen, mutet schon ein wenig an wie die \u00dcberheblichkeit, welche bereits die Piratenpartei in die Stagnation getrieben hat: Der Gedanke, dass man sowohl auf tradierte wie auch auf moderne, IT-gest\u00fctzte Strukturen verzichten k\u00f6nne, weil die eigenen Mitglieder einfach toller sind. Politik 2.0 durch Mensch 2.0. Das sollten wir inzwischen besser wissen.<\/p>\n<p>Denn selbst die besten Appelle an einen vern\u00fcnftigen Umgang verhallen irgendwann, und weder politische Bildung noch der Gr\u00fcndungselan (mit all seinen Projektionsfl\u00e4chen) werden uns ewig tragen. Irgendwann werden auch wir an einen Punkt gelangen, an dem in Diskussionen alles m\u00f6gliche eingebracht wird, aber eben nicht nur politische Bildung.<\/p>\n<p>Wenn wir eine effiziente und tragf\u00e4hige Struktur entwickeln wollen, sollten wir uns bereits jetzt Gedanken dar\u00fcber machen, wie wir neben einer Entscheidungsplattform in Form einer <span class=\"caps\">SMV<\/span> o.\u00e4. unsere Kommunikationskan\u00e4le strukturieren wollen. Dass Mailinglisten und Twitter nicht die Antwort sind, d\u00fcrfte relativ unumstritten sein. Und auch Real-Life-Treffen und \u201eTwitter aus und telefonieren\u201c sind wohl eher Notl\u00f6sungen denn der Weisheit letzter Schluss f\u00fcr eine Plattform, die sich selber Zukunftsbejahung und Technikoptimismus zuschreibt und zudem \u00fcberregional wirken m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Anforderungen an ein solches Kommunikationsmittel w\u00e4ren f\u00fcr mich u.a.:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>geringe inhaltliche Beschr\u00e4nkungen:<\/strong> Das 140-Zeichen-Limit von Twitter ist oft mehr Fluch als Segen f\u00fcr die politische Kommunikation. Status-Updates an sich k\u00f6nnen hilfreich sein, wir brauchen aber eine Plattform f\u00fcr ausf\u00fchrlichere Diskussionen.<\/li>\n<li><strong>flexible Kommunikationsgruppen:<\/strong> Ein Kommunikationsmittel sollte die spontane Bildung von Gruppen bef\u00f6rdern und nicht behindern, also \u00e4hnlich flexibel wie E\u2011Mail, dabei aber einfacher zu handhaben sein. Diese Gruppen sollten mit einfachen Mitteln privat oder \u00f6ffentlich gemacht werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li><strong>demokratische Mechanismen zur Relevanzbewertung:<\/strong> Bei Twitter gibt es bereits Fav und Retweet, bei Facebook Like und Teilen, was beides in diese Richtung geht und die Informationsflut bew\u00e4ltigbar macht. Neben der M\u00f6glichkeit Inhalte weiter zu verbreiten sollten einzelne Inhalte durch einfache Mittel auf einer Positiv-Negativ-Skale bewertet werden k\u00f6nnen, damit sowohl Ersteller*in als auch andere Benutzer*innen direktes Feedback erhalten. Zugleich werden damit auch die Inhalte nach Relevanz oder Zustimmung\/Ablehnung filterbar.<\/li>\n<li><strong>effiziente Filter:<\/strong> Irrelevante Inhalte (und das kann auch mal ein negativ bewerteter Ich-habe-schlechte-Laune-Rant sein) sollten ausgeblendet werden k\u00f6nnen, um auch innerhalb kurzer Zeit die wirklich produktiven Inhalte erfassbar zu machen. Die Filterung sollte aber individuell einstellbar sein und die M\u00f6glichkeit enthalten, bestimmte Leute zu blocken. Besonders relevante (oder auch umstrittene) Inhalte, auch aus anderen Kommunikationsgruppen, sollten zentral hervorgehoben werden k\u00f6nnen um wichtige Inhalte schnell zu verbreiten und den Informationsfluss zwischen Kommunikationsgruppen zu verbessern.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Einigen Leuten mag es bereits jetzt vor einer Tooldiskussion grauen, aber letztlich definieren unseren Tools unsere Abl\u00e4ufe und M\u00f6glichkeiten zu interagieren. Gute Kommunikationsinfrastruktur sind das A und O einer vernetzenden Plattform. Insofern w\u00fcrde ich mich freuen, wenn sich auch ein paar weitere Leute Gedanken dazu machen und eventuell ein paar Tools ausprobieren. Die zur Verf\u00fcgung stehenden Optionen sollten wir dann bei n\u00e4chster Gelegenheit pr\u00e4sentieren und ausprobieren. Telefon und Real-Life-Treffen bleiben uns ja als Optionen erhalten.&nbsp;;)<\/p>\n<p>Wer ebenfalls Lust hat ein paar Dinge zu testen (oder bereits dabei ist) kann sich gerne bei mir per Mail (pplattform \/\u00e4t\/ propaganda23.de) oder <a href=\"https:\/\/twitter.com\/nichtsistwahr\">Twitter (@nichstistwahr)<\/a> melden. Zwischenergebnisse k\u00f6nnen wir ja im Padspace dokumentieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Strukturdiskussion der Progressiven Plattform Vor ein paar Tagen fand das \u201ekonstituierende Mumble\u201c der Progressiven Plattform statt. In gewisser Weise ironisch, fanden auf jenem Mumble-Server bereits viele Treffen statt, die so meilenweit von Liberalit\u00e4t oder Progressivit\u00e4t entfernt waren, dass auch alle strategische Lackreserven der Welt nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen k\u00f6nnten. 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